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Traum und Albtraum


16. Juli ab 17.00 Uhr | Eröffnung der Außeninstallationen am Schulhaus und in Burg Ranfels

„Traum und Albtraum“

M+M | Alexandra Vogt | Daniel Knorr | Maximilian Prüfer

Mad Mieter

M+M

Mit Mad Mieter haben M+M, das sind Marc Weis und Martin di Mattia, einen im Wortsinne unheimlichen 3D-Horrorfilm in Miniaturformat geschaffen. Der Plot in Kürze: Eine Mieterin fühlt sich von der Außenwelt bedroht. Als ein ungebetener Gast ihre Nähe sucht, kommt es zu einem schockierenden Ende.

Die Kulisse des ohne Computeranimation auskommenden Werks ist eine Puppenstube. Dennoch hat der Kurzfilm nichts Niedliches an sich. Schon die Surrealisten waren fasziniert von den anthropomorphen Fangschrecken, die vornehmlich in einer Art skulpturalen Starrheit verharren, und von dem Mythos des fürs Männchen tödlichen Liebesaktes. In 3D gedreht und – typisch für M+M – als raumfüllende Videoinstallation präsentiert, rücken einem die instinktgetrieben Protagonisten nun im leerstehenden Schulhaus in Ranfels in ihrer scheinbaren physischen Präsenz albtraumhaft nahe. Andererseits identifiziert man sich mit der Mieterin angesichts steigender Mieten, drohender Entmietung und Wohnraummangel. Die Erfahrungen der Pandemie, der eigene Rückzug ins Homeoffice und die Nähe von Mitmenschen als potentielle Gefahr zu erleben, bewirken weitere Lesarten des bereits vor Zeiten von Lockdowns entstandenen Werks. 

Ewig gültig sind die in Psychologie, Philosophie und Kunst schillernden Dichotomien von Liebe und Tod, von Kultur und Natur, deren Gegensätzlichkeit in Mad Mieter fulminant kollabiert.


Lost Lightboxes

Alexandra Vogt

Alexandra Vogts künstlerisches Werk, in dem Pferde und junge Mädchen die Hauptrolle spielen, entsteht in enger und kontinuierlicher Zusammenarbeit mit den Protagonistinnen meist im bayerischen Mindelheim, wo die Künstlerin zusammen mit einer großen Anzahl von Araber-Pferden lebt und arbeitet.

In ihren Fotos und Filmen stellt Alexandra Vogt das mit den Pferden ausgelebte Körpergefühl jedoch nicht nur als befreiendes, sondern zugleich auch als extrem Verunsicherndes dar. Sowohl Tier als auch Mensch in ihren Bildern vermitteln exzessive Körperlichkeit. Dieser Exzess drückt sich durch ein Übermaß an Kraft und Vitalität aus, vor allem aber in deutlich sichtbaren Verletzungen. Diese vermitteln ein unbehagliches Körpergefühl der Versehrtheit, das die unversehrte Welt der Pferderomantik in Frage zu stellen scheint. Letztlich aber zerstört das Moment der Körperlichkeit die Fantasiewelt nicht, sondern gibt ihr erst ihre Erfahrungsdichte. Das Besondere dabei ist: Die Bilder wirken zwar traumatisch, sie identifizieren jedoch kein bestimmtes Trauma, sind meist archaisch, manchmal romantisch, bisweilen sogar schelmisch und verspielt. Gerade dieser Mangel an Eindeutigkeit verstärkt die Eindringlichkeit ihrer Wirkung. 

Alexandra Vogt auf Burg Ranfels

o.T. (mirror:error)

Canvas Sculptures Small Ghost

Daniel Knorr

In Daniel Knorrs Werk erscheinen unterschiedlichste Werke als Materialisierungen im Cyberspace, als Verdichtungen immaterieller Symbolik, oder, wie der Künstler sagt, als Sprache, die das Material selbst erzeugt, als Sprache, welche die Erde von sich gibt. Folgt man letzterem, spricht der auf Burg Ranfels ausgestellte „Geist“ angesichts seiner Stofflichkeit eine ziemlich giftige Sprache, die wie ein ausgeworfenes Feedback zu unserer toxischen Behandlung der Welt anmutet und sich in Gestalt des Plastiks im Meer oder Weltraum zeigt – fügt sich aber auch wie selbstverständlich in die Jahrhunderte alten Gemäuer ein und wacht gleichsam liebevoll über sie.

© Foto: Bernd Borchardt

Knorr arbeitet als kritischer Post–Konzeptualist und nennt seine künstlerische Praxis Materialisierung. Er hat auf der Venedig Biennale im rumänischen Pavillon die Arbeit European Influenza gezeigt und auf der Documenta 14 mit Expiration Movement, dem für die gesamte Ausstellungsdauer rauchenden Zwehrenturm, ein Werk der politischen und geschichtlichen Auseinandersetzung geschaffen.

Youtube Link Konzeptkunst von Daniel Knorr: „We make it happen „


Maximilian Prüfer 

Maximilian Prüfer ist ein deutscher Konzeptkünstler. Er entwickelt aufwendige Verfahren, in denen er die Spuren von Insekten auf Papier überträgt und so zeigt, wie sie sich in bestimmten Strukturen bewegen. 

Prüfer studiert für seine Spurenbilder Phänomene aus der Natur sowie Verhaltensweisen von Tieren, meist Insekten. Durch eine gezielte Manipulation der Umgebung oder der Tiere selbst veranschaulicht er ureigene Grundbedürfnisse und Verhaltensweisen, die alle Lebewesen aufzeigen. Die Reaktion der Tiere, beziehungsweise deren Spurenbilder, stehen dabei oft metaphorisch für das Verhalten von Menschen im Bezug zur Gesellschaft.

Mittels einer von ihm entwickelten Technik, der „Naturantypie“, lässt Prüfer feinste Spuren aus der Natur sichtbar werden, beispielsweise Spuren von Schnecken oder Ameisen, Flügelschläge von Nachtfaltern oder den Aufprall von Regentropfen.

So werden beispielsweise Schnecken zum Sinnbild einer Massenbewegung, die sich nur aus dem Prinzip des Energiebedarfs ergibt. Ohne jegliche Kommunikation der Tiere untereinander bewegen sie sich, durch eine gezielte Veränderung des Untergrunds, in die gleiche Richtung, und nehmen kollektiv den Weg des geringsten Widerstands.

Neben der Technik der Naturantypie entwickelte Maximilian Prüfer ebenfalls die Technik des „Schmetterlingsdrucks“ – ein Verfahren, das die Übertragung der Pigmentschuppen von Schmetterlingen auf Papier ermöglicht. Die Schmetterlinge werden dabei von einem Objet trouvé zu einem naturalistischem Abdruck, der sowohl die Frage nach der Urheberschaft der Arbeit stellt, als auch den evolutionären Prozess illustriert, in dem er das „Bild“ mit seinen Ursprüngen von Entwicklungsprozessen und Umwelteinflüssen darstellt.

Youtube Video Maximilian Prüfer „Die Muster der Natur“

Maximilian Prüfer stellt bei Sotheby’s in München aus:

Eröffnung der Installation „Traum und Albtraum“ am 16. Juli 2022 / Impressionen

Veranstaltung Burg Ranfels "Traum und Albtraum"
Veranstaltung Burg Ranfels "Traum und Albtraum"
Veranstaltung Burg Ranfels "Traum und Albtraum"

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