BESTIA ET ANIMA
Die Ausstellung BESTIA ET ANIMA (Tier und Seele) präsentiert eine Welt, in der die Grenzen zwischen dem archaisch animalischen und der menschlichen Seele verschwimmen. Sie erforscht die Dualität von Wildheit und Verinnerlichung, von Trieb und Reflexion. Sie untersucht die tief verwurzelte und wechselseitige Verbindung von Mensch und Tier und stellt dabei Instinkt und Spiritualität dem Intellekt und der Ratio gegenüber. Die Auswahl der Arbeiten stellt dabei eine eklektische Mischung von Medien dar. Zeichnung, Malerei, Skulptur, Fotografie und digitale Installationen führen intensive Dialoge zwischen den – manchmal ungezähmten, manchmal kontrollierten – Kräften, die die animalische Natur antreiben und der tiefgründigen, oft schwer fassbaren Essenz der Seele. Die Künstlerinnen und Künstler interpretieren dabei die Idee der BESTIE nicht nur als eine von Kindheit an geprägte, abstrakte Urangst, sondern als einen wesentlichen Teil des Selbst und fordern die Betrachtenden so auf, sich mit ihren eigenen inneren Konflikten auseinanderzusetzen.

BESTIA ET ANIMA
Roger Ballen *1950 (Fotograf und Objektkünstler | Johannesburg, Südafrika)
Michael von Brentano *1960 (Bildhauer | Seeshaupt und Gaino, Italien)
Andreas Chwatal *1982 (Maler und Zeichner | Burglengenfeld und New York)
Marcel Dzama *1974 (Zeichner und Objektkünstler | Winnipeg, Kanada)
Leiko Ikemura *1951 (Malerin und Bildhauerin | Berlin und Köln)
Tove Mauritzson *1976 (Malerin | Viken, Schweden)
Aribert von Ostrowski *1991 (Maler und Objektkünstler | Berlin)
Boris Saccone *1991 (Maler | München)
Florian Süssmayr *1963 (Maler | München und Genua, Italien)
Tamiko Thiel *1957 (Video- und Multimediakünstlerin | München)
Alexandra Vogt *1970 (Malerin und Multimediakünstlerin | Füssen und Monsanto, Portugal)
Eröffnung
Samstag, 28. Juni 2025
17 Uhr Ausstellungseröffnung | 18 Uhr Rundgang & KünstlerInnengespräch
Die Ausstellung läuft von Juni bis Dezember 2025 und kann nach schriftlicher oder telefonischer Anmeldung besichtigt werden. Anmeldung unter kontakt@burg-ranfels.de | 0172 – 8511464
Vernissage Bestia et Anima
Die Künstler*innen
Roger Ballen *1950 (Fotograf und Objektkünstler | Johannesburg, Südafrika)
Internationale Galerien und Museen richten seit über 50 Jahren Ausstellungen mit den Werken von Roger Ballen aus, der bereits in seinem 14. Lebensjahr mit dem Fotografieren begann. Darunter finden sich so klangvolle Namen wie die Galerie Karsten Greve mit ihren Dependancen in Köln, Paris und St. Moritz, das National Museum of Contemporary Art, Athen, das Florida Museum of Photographic Arts, Tampa, USA und das Museum Tinguely in Basel. Im Jahr 2023 eröffnete Ballen mit dem Inside Out Center for the Arts in Johannesburg sein eigenes Museum in seiner Wahlheimat Südafrika.

Seit eine Retrospektive mit Werken Roger Ballens vor einiger Zeit den Begriff „Ballenesk“ geprägt hat, ist der Künstler offiziell sein eigener Stil. Er verdankt dies einer einzigartigen Handschrift, die neben seinen Fotografien inzwischen auch seine Zeichnungen, Filme und Objekte prägt. Seine Bildwelten führen uns die Absurdität und das Drama des menschlichen Daseins vor und sind gleichzeitig Aufzeichnungen und Berichte einer sehr persönlichen, intellektuellen Reise.
Surreal setzt der gebürtige New Yorker das Abgründige des Seins in Szene und verleiht dabei der Psyche Ausdruck, um so die in unserem Inneren verborgenen Kräfte zu erforschen und freizulegen. Für Ballen ist das Foto Klausur und Selbstreflexion, oder – wie er selbst sagt – „ganz einfach eine andere Art in den Spiegel zu schauen“.
Michael von Brentano *1960 (Bildhauer | Seeshaupt und Gaino, Italien)
Nach einer Ausbildung zum Schreiner studierte Michael von Brentano Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München und war Meisterschüler bei Professor Hans Ladner. 1990 erhielt er den Debütantenpreis des Kulturministeriums Bayern, es folgten Ausstellungen in der Kunsthalle, im DG Kunstraum und im Haus der Kunst, München, dem Kunsthaus Wiesbaden und der Kunsthalle Wil in der Schweiz.

Michael von Brentano schafft in seinen Arbeiten ein eigenes künstlerisches Ökosystem, das auf der höheren Ordnung der menschlichen Fantasie basiert. Viele Werke sind auf faszinierende Weise verstörend oder irritieren auf den zweiten Blick; stellenweise wähnt man sich im naturkundlichen Museum in der Abteilung für Kryptozoologie. Michael von Brentano lehnt sich mit seinem seit vielen Jahren zusammengetragenen und geschaffenen – aus unzähligen Kleinoden wie elaborierten plastischen Objekten bestehenden «teatrum mundi» – an dieses bis zur Aufklärung im 17. Jahrhundert europaweit präsente Phänomen der Kunst- und Wunderkammern an.
In BESTIA ET ANIMA ist bei Brentano die Zeit nach dem Paradies – Pastime Paradise – angebrochen. So sind die beiden Rehe in Lebensgröße nahezu realistisch modelliert und in Form und Körperhaltung wie Klone identisch. Sie stehen Hinterbein an Hinterbein, so dass der Kopf der einen Skulptur dem Betrachter zugewandt, der der anderen abgewandt ist. Es ergibt sich eine ornamental anmutende, gespiegelt symmetrische Gesamtform. Kommt man näher, bemerkt man, dass sie wie siamesische Zwillinge an ihren Hinterteilen fest verwachsen sind. So haben beide zusammen nur sieben statt acht Beine. Statt eines Fells tragen sie einen militärischen Tarnanstrich. Die Tiere wirken damit nicht mehr filigran und verletzlich, sondern beinahe martialisch. Oder wollen sie sich davor schützen, allzu leicht entdeckt zu werden? In den guten, alten Zeiten schwelgen, das macht auch im Tierreich angesichts der globalen Krisen und Katastrophen keinen Sinn mehr. Brentano gibt den Phänomenen der Natur eine neue Form und verwandelt sie so in etwas eigenständig Lebendiges und Magisches. Wie die geschnitzten Gämsen, Hirsche und Steinböcke – auf den ersten Blick einfach nur alpenländische Schnitzereien, in die er eingreift und die er so in fremdartige Lebewesen verwandelt.
Andreas Chwatal *1982 (Maler und Zeichner | Burglengenfeld und New York)
Andreas Chwatal arbeitet vor allem mit dem Medium der Zeichnung. Nach zwei Jahren Studium der Kunstgeschichte in Regensburg wechselte er an die Kunstakademie nach München, wo er bei Markus Oehlen Malerei und Graphik studierte. Wichtige Ausstellungen waren unter anderem 2016 die Teilnahme an der Gruppenausstellung „Favoriten III – Neue Kunst aus München“ im Lenbachhaus, München, „Startupart“ in der MunichRe, München sowie „Limbo Lichtspiele“ im Museum Villa Stuck. Seit 2011 präsentiert Andreas Chwatal Einzelausstellungen in den Galerien Andreas Grimm und Jo van de Loo in München. Er war Stipendiat am Deutschen Studienzentrum in Venedig sowie am Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg. Andreas Chwatal wird von der Galerie Jo van de Loo in München vertreten.

Die künstlerische Arbeit von Andreas Chwatal spielt in phantasievollen schwarzweiß Welten. Sein Medium ist dabei die Tuschezeichnung, die er in unverkennbarer Handschrift erst in kleinen und inzwischen auch in großen Formaten ausführt. Dabei liegen Chwatals Wurzeln in der Gegenständlichkeit, seine Arbeiten auf Papier zeichnen sich durch präzise Detailarbeit und ein gekonntes Spiel mit Licht und Schatten aus. In den Vordergrund tritt der Schöpfungsprozess, die Suche nach dem Unberührten – wie in dieser Ausstellung der Wolf oder der große Kudu. Zeichnungen, die wie Abbildungen aus alten zoologischen Lexika wirken, führen eine Magie des Urzustandes herbei, indem sich der Charakter des Tieres offenbart.
Das Misch-Fabelwesen Galanta hingegen ist einer Phantasiewelt entsprungen und könnte aus einer mittelalterlichen Wunderkammer stammen. Ebenso wie die Eremitesse, die mit der Natur und den Tieren in einer Symbiose zu leben scheint.
Marcel Dzama *1974 (Zeichner und Objektkünstler | Winnipeg, Kanada)
Die Werke des in der kanadischen Provinz Manitoba lebenden und (dort meist nur nachts) arbeitenden Marcel Dzama wurden bereits in international namhaften Institutionen wie dem Museum of Modern Art, New York, der Tate Gallery, London und der National Gallery of Canada in Ottawa ausgestellt. Er wird von der David Zwirner Gallery, New York und der Galerie Sies + Höke, Düsseldorf vertreten.

Leihgabe der Sammlung Ottmann / Südhausbau, München
Dzama vereint in seinen Zeichnungen, Aquarellen, Gemälden und Objekten Elemente des Dadaismus, der Volkskunst und des Surrealismus. Dabei lässt er sein Figurenpersonal – Menschen, Tiere und Hybridwesen – wie auf einer Bühne auftreten, die dabei teils allegorisch, teils konkret Bedrohungen, Gefahren und Gewaltsituationen darstellen und einem Albtraum entstammen könnten. Seine künstlerischen Einflüsse sind vielfältig und schöpfen sowohl aus den Werken Francisco Goyas und Marcel Duchamps, als auch aus Kindheitsbildern von wilden Kreaturen und Monstern. Aus seiner eigenen Erinnerung an frühe Ängste schuf Marcel Dzama den eher freundlich anmutenden Wolfsmenschen „Lanky Faber“, der für die Ausstellungsdauer auf Burg Ranfels eingezogen ist und sich dort in bester Gesellschaft mit den hauseigenen Geistern befindet.
Leiko Ikemura *1951 (Malerin und Bildhauerin | Berlin und Köln)
Die in Japan geborene Leiko Ikemura, die u.a. durch die Galerie Rüdiger Schöttle in München vertreten wird, stellt ihr gleichsam von asiatischen und westlichen Einflüssen geprägtes Werk seit Jahrzehnten in bedeutenden Institutionen aus, darunter das Kunstmuseum Basel, das National Art Center, Tokio und das Georg Kolbe Museum, Berlin. Ende 2025 wird die renommierte Albertina in Wien die Künstlerin mit einer großen, retrospektiv angelegten Ausstellung ehren.

Leihgabe Galerie Rüdiger Schöttle, München und der Künstlerin
Neben zahlreichen Zeichnungen und Gemälden, ausgestattet mit einer traumähnlichen Bildsprache und beseelt von einem poetischen Subtext, ist Leiko Ikemura besonders durch ihre Skulpturen aus Bronze, Terrakotta oder Glas bekannt, die sich neben der weiblichen Figur in den letzten Jahren zunehmend mit Tieren und Legenden in Volksmärchen als japanische Entsprechung zur Fabel beschäftigen. Der Hase, ein zartes, scheues Wesen, sensibel und verletzlich, wird in Ikemuras Werk durch den spirituellen Usagi verkörpert, der Fürsorge und Schutz symbolisiert und stets Trost spendet. Er spiegelt dabei auch Übergänge wider, wie etwa von Schöpfung zur Zerstörung, von der Jugend zum Alter und letztlich vom Leben zum Tod. Vor allem aber steht er für die Transformation von Mensch und Tier und wird so zur allegorischen Figur einer neuen, transkulturellen Mythologie.
Tove Mauritzson *1976 (Malerin | Viken, Schweden)
Tove Mauritzson hat in Edinburgh und Stockholm Kunst studiert und fiel unmittelbar danach durch zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland auf, darunter die Galleri Torekov Konsthallen, Blå Hallen, Höganäs, Young Jamieson Fine Art, UK, The Drang Gallery, UK, Höganäs Museum och Konsthall, Krapperups Konsthall, Schweden.

Die Welt der Malerin Tove Mauritzson dreht sich um Erinnerungen an ihre Kindheit in Schweden, um Menschen und Tiere. In der Kunstgeschichte hatten Hunde, Pferde und Tiere aller Art schon immer unterschiedliche Bedeutungen. Hunde standen für Treue und Liebe, Pferde für Kraft und Erhabenheit. Ein Fuchs war listig und ein Gemälde der Beute eines Jägers symbolisierte Glück, den Reichtum der Natur und die Kontrolle des Menschen über sie. In Tove Mauritzsons Arbeiten symbolisieren Tiere die einzig mögliche Verbindung in die Vergangenheit und den einzigen Weg, der in die Zukunft weist. Dennoch sind es keine gewöhnlichen Szenen, denn in Mauritzsons Arbeiten ist die Realität opulent mit Fantasie ausgeschmückt. Was wie eine Naturszene wirkt, ist in Wirklichkeit eine äußerst sorgfältig konstruierte Szenografie.
Obwohl die Motive mit ihren Bezügen zum schwedischen Landleben idyllisch wirken, gibt es irritierende Wendungen, die den Betrachter eher durch traumhafte Momente führen oder skurrile Details beinhalten. Oft wirkt die kindliche Perspektive unbeholfen, ist übertrieben groß oder flach und ohne Tiefe gemalt. Etwa wenn Fische in der Luft zu schweben scheinen, lila Pilze aus Tischplatten wachsen oder die Kaffeekanne mit gelben Blüten überkocht. Auch „After the Reins“ wirkt wie ein Traumszenario, in dem das Pferd endlich von allen menschlichen Utensilien befreit ist. Die surrealistischen, kaleidoskopartigen Panoramen zeigen oft auch Innenräume, in denen Jagdhunde gemütlich zwischen schnabeligen Porzellanfiguren herumstöbern. Doch die Perspektiven sind verzerrt, wenn die bedrohliche Unordnung des Alltagslebens eindringt. Zwischen anmutigen Stilmöbeln und verschnörkelten Kandelabern werden Staubsauger, Teebeutel und verirrte Kindersachen unerbittlich einbezogen. Beinahe halluzinatorisch ist das Geschehen in der Installation „Beat you to it“ am alten Schulhaus -einer Art Kommentar zum Überlebenswillen in der ewigen Nahrungskette. Der Bestand der Bienenpopulationen, die letztlich unser Dasein mit ihren Bestäubungsmechanismen sichern, ist fragil und kann blitzschnell ausgerottet werden. Und hier ist der Hund schon am Werke. Tove Mauritzson wird von der Galleri Duerr in Stockholm vertreten.
Aribert von Ostrowski *1953 (Maler und Objektkünstler | Berlin)
Traditionelle Techniken der Malerei, Druckgrafik und Fotografie verbindet Aribert von Ostrowski mit neuesten, digitalen Verfahren und Medien. Er inszeniert damit von Dialogen und Bezugnahmen geprägte Ausstellungen an unterschiedlichsten Orten, wie etwa dem Corbusierhaus Berlin /C834 (walking the corner with crocus and chronicles), dem Espace Sauvage (∙unemployed∙weather∙), Düsseldorf, der Galerie Christine Mayer (Portrait of an Image), München, der Galerie Bleich-Rossi (The Diamond Is Not A Maximum), Wien, dem Kunstverein München (WIR SUCHEN DIE GUTEN Rosa Blu), dem Projektraum Berlin ( Der Galerist als Pfleger), sowie in regelmäßigen Abständen in der Galerie Christine Mayer in München.

Die Werkserie „stickers“ aus dem Jahre 2024 untersucht die Ästhetik, Mechanismen und Funktionalität digitaler Bildproduktion und -verbreitung. Ausgangspunkt ist eine Funktion von Smartphones, bei der durch Fingerdruck Objekte aus Fotos extrahiert und als digitale Aufkleber weiterverwendet werden können. Ostrowski transformiert dieses digitale Feature indem er die freigestellten Motive auf ein spezielles Stoffmaterial druckt und damit klassische Techniken der Kunstproduktion zitiert. Er hinterfragt, wie sich künstlerische Bilder in einer Welt positionieren können, in der visuelle Inhalte ständig reproduziert und verbreitet werden und eröffnet so einen transhistorischen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Boris Saccone *1991 (Maler | München)
Boris Saccone studierte von 2016 bis 2023 Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Professor Gregor Hildebrandt und war von 2021 bis 2023 dessen Meisterschüler. Seine künstlerische Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis für bildenden Kunst (2021) sowie dem Künstlerstipendium des Cusanuswerk. 2024 wurde er für die Shortlist des Young Generation Art Prize des Monopol Magazins nominiert. Seine Werke waren in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen, u.a. Baumwollspinnerei, Leipzig, Haus am Lützowplatz, Berlin, Choi&Choi Gallery, Seoul, Eres Stiftung, München und in der Galerie Abri Mars, New York. Boris Saccone wird von der Galerie Jo van de Loo in München vertreten.

Die Gemälde von Boris Saccone sind Hommagen an alte Meister, die mit ornamental verspielten und religiösen Motiven versetzt sind. Die Figuren und Formen erinnern oft an mythische und fabelhafte Narrative. Ein weißer Rabe, der die Sonne verdeckt, wirkt wie ein Zitat an die Pfingsttaube, dem Symboltier für den Heiligen Geist. In der Vogel-Ikone fliegen vier Schwalben beinahe märchenhaft ins Nichts. Und auch der Hase taucht in seinen Arbeiten immer wieder auf – etwa in der Einzelausstellung „Der Hase rannte“ in der Galerie Jo van de Loo in München, von der er auch vertreten wird. Wie auch bei Leiko Ikemura steht der Hase als Symbol für das Leichte, das Weiche und das Schützenswerte. Saccone erschafft so neue Welten, die in ihrer Tonalität und Bildsprache gegen den hoffnungslosen Strom der Zeit vom Garten des Lebens und der Schöpfung erzählen. „Der Hase rannte, die Hütte brannte, doch die Apokalypse bleibt noch aus“ – so schimmert doch immer das Grundprinzip Hoffnung in Saccones Arbeiten durch.
Florian Süssmayr *1963 (Maler | München und Genua, Italien)
Florian Süssmayr war in den 1980er Jahren in der Punk- und Musik-Szene in München aktiv. In den 1990er Jahren arbeitete er als Lichttechniker und Kameramann, bis er sich ab 1997 als Autodidakt vollständig der Malerei widmete. Unmittelbar darauf folgten internationale Einzel- und Gruppenausstelllungen, darunter die Kunsthalle, München, 1st Athens Biennial, Athen, Haus der Kunst, München, Nicholas Robinson Gallery, New York, Museum Ludwig, Budapest, Kunsthalle Darmstadt, Arsenale Institute for Politics of Representation, Venedig, Lenbachhaus, München, Pinakothek der Moderne, München und die Fondation Francès, Clichy, Frankreich.

Die Arbeiten von Florian Süssmayr wirken oft luzide und geheimnisvoll, sind figürlich und abstrakt zugleich. Die außergewöhnlich genauen Darstellungen der Szenerien wirken dokumentarisch und ähneln dem Blick eines Fotojournalisten oder dem Bericht eines Augenzeugen. Florian Süssmayrs Werk ist durch eine konsequent reduzierte Farbpalette in Grau- und Sepiatönen und eine filmische Ästhetik geprägt. Es ist ein unverwechselbarer Stil, der heute als ikonisch gilt. Auch die drei Wölfe in Öl auf Leinwand wirken wie Erinnerungsfragmente – kurze Augenblicke, die von einer Wildtierkamera eingefangen scheinen – eingefroren in schwarz und weiß, und trotzdem flüchtig wie Szenen aus einem Traum. Der Wolf als herumstreifendes Wesen – ein archetypisches Symbol für Freiheit und Wildnis, das den Menschen gleichermaßen fasziniert wie beängstigt. So musste der Wolf immer schon herhalten, damit der Mensch eine Grenze ziehen konnte zwischen dem warmen Drinnen der Gesellschaft und einer bedrohlichen, unkontrollierbaren Natur draußen. Das wilde Tier wird damit zu einer Metapher und entfacht die aktuell hitzige Debatte, die die Rückkehr des Wolfes begleitet.
Tamiko Thiel *1957 (Video- und Multimediakünstlerin | München)
Die immersiven und meist interaktiven Arbeiten von Tamiko Thiel sind aktuell im Rennaissancebau des Chiastro del Bramante, Rom und in Esch-sur-Alzette in Luxemburg bis Anfang September zu sehen. In den letzten Jahren fiel die japanisch-amerikanische Künstlerin durch monumentale Ausstellungen auf, wie etwa im Ludwig Museum, Budapest, im MUDAM, Luxemburg und im Museum of Modern Art (MoMA), New York. Viele ihrer Projekte greifen in den öffentlichen Raum ein, wie etwa „#JulietToo“ 2022 am Marienplatz im Herzen von München.

Links: Scan des Drucks mit AR-App auf dem iPad; rechts: AR-Ansicht auf dem iPad-Display.
Mit freundlicher Genehmigung von Yvonne Hohner Contemporary Karlsruhe
Thiel verbindet in ihren Arbeiten digitale Medienkunst mit gesellschaftlich relevanten Themen wie kultureller Identität, Ökologie und sozialer Gerechtigkeit. In „Plastocene Dreams“ thematisiert sie die Verschmutzung der Ozeane durch Plastikmüll und stellt eine poetische Vision einer Zukunft dar, in der Plastikabfälle zu neuen, lebendigen Ökosystemen werden.
Die Drucke dieser Werkserie lassen sich mit Hilfe einer App mit einem Tablet oder Smartphone scannen, woraufhin sich die 2D-Bilder in 3D-Animationen verwandeln. Digitale Korallenriffe aus Plastikabfällen wachsen aus der Wand, umschwärmt von bunten Fischen und begleitet von Unterwassergeräuschen. Eine wandgroße Variation, „Plastocene Reef“, ist in der Eingangstür des ehemaligen Schulhauses im Ortskern von Ranfels installiert und lässt sich rund um die Uhr während der gesamten Ausstellungsdauer von BESTIA ET ANIMA zum Leben erwecken.
In dieser Interaktion von Realität und Fiktion, vor allem aber in der homogenen Fusion von Technik und sozioökologischen Themen, die stets auch auf die Kunstgeschichte verweisen, liegt die tiefe Poesie der Arbeiten Tamiko Thiels.
Alexandra Vogt *1970 (Malerin und Multimediakünstlerin | Füssen und Monsanto, Portugal)
Alexandra Vogt studierte an der Akademie der Bildenden Künste, München, am Goldsmith College in London, in der Glasgow School of Art und an der Kungliga Konsthögskolan, Stockholm. Nach Museums- und Galerieprojekten im In- und Ausland, u.a. im Stadtmuseum Memmingen, Kunsthaus Bregenz, Galerie Ars Futura, Zürich, Galerie Cokkie Snoei, Rotterdam nahm sie mit ihren „Lost Lightboxes“ bereits 2022 an der Ausstellung „Traum und Albtraum“ auf Burg Ranfels teil.

Leuchtschrank, 182 x 119 x 47 cm
In dem Figurenarsenal von Alexandra Vogt spielen mythisch anmutende Pferde und junge Mädchen die Hauptrolle – allesamt Verlorene, Vergessene oder Verletzte. In ihren Fotos und Filmen stellt Alexandra Vogt die mit den Tieren ausgelebten Emotionen eben nicht nur als etwas Beglückendes und Befreiendes, sondern zugleich auch als etwas zutiefst Verunsicherndes dar. Latente Konflikte, Rituale und Verwicklungen des weiblichen Erwachsenwerdens stehen im Mittelpunkt. Sowohl Tier als auch Mensch vermitteln in ihren Bildern exzessive Körperlichkeit. Dieser Exzess drückt sich durch ein Übermaß an Kraft und Vitalität aus und gleichzeitig wird die unversehrte Welt der Pferderomantik durch Brüche immer wieder in Frage gestellt. Für ihre Werkgruppen, die vom Figürlichen bestimmt sind, bedient sich Alexandra Vogt der Malerei, der Fotografie, des Films und eines erweiterten Installationsbegriffs. Charakteristisch ist die Mischung aus Inszenierung und Dokumentation, die Lust am Absurden, das Bekleiden der Wesen, die sich zwischen Traum und Albtraum bewegen. Es geht um Identitätsfindung und um Positionierung, um Spiegelung, um Archetypisches, um Alter Egos und um das Umcodieren klischeehafter Festschreibungen.
ANATOMIE DER OBERFLÄCHE
KARL SCHLEINKOFER | GLORIA SOGL | HANS FISCHER | NEVIN Aladağ
Die Ausstellung ANATOMIE DER OBERFLÄCHE reflektiert die komplexe Beziehung zwischen äußerer Erscheinung und innerer Struktur und hinterfragt dabei stereotype Zuordnungen und Interpretationen. Die Werke bedienen sich dabei (vermeintlich) traditioneller Medien und Materialien wie die der Keramik, der Zeichnung und der Textilkunst, präsentieren sich auf den ersten Blick in einer rein abstrakten Formensprache, die bei genauerer Betrachtung ihre sozialphilosophischen Inhalte offenbart.

Eröffnung
ANATOMIE DER OBERFLÄCHE
Karl Schleinkofer, Zeichnungen
Gloria Sogl, Textile Installation
Hans Fischer, Skulptur
Nevin Aladağ, Social Fabric
Samstag, 3. Mai
16 Uhr Ausstellung Rundgang
17.30 Uhr „Im Pantheon der Spinnen“ – Lesung mit Michael Krüger (Eintritt 8 Euro – Anmeldung erbeten)
Die Ausstellung in der Wunderkammer kann bis Juni nach schriftlicher oder telefonischer Anmeldung besichtigt werden. Anmeldung unter kontakt@burg-ranfels.de | 0172 – 8511464
Impressionen der Vernissage
Die Künstler*innen
Karl Schleinkofer (* 1951) lebt und arbeitet in Passau. Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Hermann Kaspar und Hans Baschang. Seit 1983 lehrt er an der Universität Passau. Jahrespreisträger für bildende Kunst an der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Stipendiat des internationalen Künstlerhauses Villa Concordia, Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Karl Schleinkofer, Nr. 8 Bilderzyklus Endlich Ungewissheit
Mit seinem Bilderzyklus Endlich Ungewissheit beschreibt Karl Schleinkofer den wirren Sachverhalt, den beide Worte in den Gedankenraum stellen. Es ist die unzumutbare Abkehr von einer wunschgemäßen Stabilität. Es ist diese Ungewissheit, die uns weiterführt und einen Weg zeigt ins noch nicht Nachvollziehbare.
Gloria Sogl (* 1994) Studium der Bildenden Kunst und Pädagogik in München und Nürnberg, Abschluss am Dutch Art Institute (DAI) nach einem Auslandsstipendium des DAAD, Einzelausstellungen Museum Moderner Kunst Wörlen Passau und Stadtmuseum Deggendorf, Stipendium Junge Kunst und neue Wege des Landes Bayern, Kulturpreis (Nachwuchsförderpreis) des Landkreises Passau, Debütanten-Förderprogramm BBK Bayern, 2025 Diplom an der Akademie der Bildenden Künste München, 2025 Kulturpreis der Dr. Franz und Astrid Ritter Stiftung.

Gloria Sogl Digital Tenderness (2024/25)
Im Mittelpunkt von Gloria Sogls Werk steht die Kunst des Webens, die ihr als konzeptionelle Grundlage und Inspiration für einen Großteil ihrer Werke dient und ihren Ursprung im traditionellen Handwerk eher als Reminiszenz offenbart. Der Zyklus Digital Tenderness (2024-2025) besteht aus teils per Hand, teils automatisch gewebten Stoffen. Die Motive basieren auf Bildern und Fotos, die zunächst als Sammlung visueller Informationen digital übereinandergelegt und zusammengefügt werden, um sich dann in einem Reduktionsprozess zu verdichten, sodass die Lesbarkeit des Dargestellten zweitrangig ist und damit ambivalente Interpretationen möglich sind. Dieser Prozess übersetzt so manuelle Gesten und Spuren von Berührung in strukturierte Muster, wodurch sie als Blaupausen faktischen Wissens bewahrt und gleichsam von den Betrachtenden individuell decodiert und gedeutet werden können.
Hans Fischer (* 1957), Lehre bei Jörg von Manz 1978 – 1980, danach bis 1982 Arbeit in verschiedenen Keramikwerkstätten im In- und Ausland. Ausstellungen u.a. Deutsche Keramik Japan, Stiftung Keramion Frechen, Kunstverein Passau, Kunstverein Burghausen, Kunstforum Solothurn, Neue Galerie Landshut, Keramikmuseum Obernzell, Collect London sowie 2001, Diessener Keramikpreis, 2005, Auszeichnung Targa della Regione Emilia-Romagna, 2020 Kulturpreis der Dr. Franz und Astrid Ritter-Stiftung für Bildende Kunst

Hans Fischer, Torso (2015)
Hans Fischer gestaltet seine Skulpturen und Keramiken mit innovativen Methoden und Techniken und nutzt bewusst die weichen, heimischen Tone und die traditionelle Technik der Engobe. Der künstlerische Bogen ist weit gespannt. Zum einen wurzelt seine Arbeit in einer langen keramischen Tradition und verbindet seine Leidenschaft und Kreativität mit dem Nutzen der Irdenware – also Keramik wie Steingut oder Terrakotta. Zum anderen treibt ihn bei seinen bildhauerischen Keramikobjekten die Lust an der Erforschung und Bespielbarkeit des Tonklumpens, des Materials, zu einer Ursprünglichkeit, Spontaneität, Lebendigkeit, zu einer einfallsreichen gestalterischen Dynamik.
Nevin Aladağ (* 1972), Studium der Bildhauerei bei Olaf Metzel an der Akademie der Bildenden Künste in München, Beiträge zur documenta 14 und der 57. Venedig-Biennale, zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland und Arbeiten in internationalen Sammlungen, Nevin Aladağ lebt und arbeitet heute in Berlin. 2025 Landespreis für Bildende Kunst Baden-Württemberg und Kurt-Schwitters-Preis für das Jahr 2026. Seit 2019 ist sie Professorin für interdisziplinäres künstlerisches Arbeiten an der Hochschule für Bildende Künste Dresden.

Nevin Aladağ, river (2022)
Die international renommierte Installations- und Performancekünstlerin Nevin Aladağ reflektiert in ihrer künstlerischen Arbeit Fragen zu Identität und der Dynamik von Gemeinschaft in einer zunehmend vielfältigen und diversen Gesellschaft. Ihre Objekte, Skulpturen, Videos und Performances und ihre textilen Collagen, zu denen auch die Social Fabrics wie das in der Ausstellung Anatomie der Oberfläche gezeigte river (2022) gehören, spüren Parallelen und Schnittmengen unterschiedlicher Kulturen auf, die die Künstlerin in ihren Werken sicht- und zunehmend auch fühl- und hörbar macht.
„Im Pantheon der Spinnen“ – Lesung mit Michael Krüger – Texte von Michael Krüger – Zeichnungen von Karl Schleinkofer – 3. Mai 2025








„Insomnia – das Beste aus schlaflosen Nächten“

Christoph Haas liest Lyrik aus Anmerkungen zu John Wayne und Prosa aus „Eine Nacht im Juli, eine Nacht im Dezember.“
Musik: Benedikt Kuhnen Posaune und Daniel Wildner Gitarre.
„Zwischen den Welten“
SOMMERAUSSTELLUNG mit
JULIE DE KEZEL | GLENN DE COCK | LORETTA LUX | TRACEY SNELLING | KLAUS PICHLER | MAXIMILIAN PRÜFER
Nach „Aliens im Wald“ von Hans Lankes bezieht sich auch die große Sommerausstellung 2024 mit dem Titel „Zwischen den Welten“ augenzwinkernd auf geheimnisvolle Paralleluniversen, die uns in der Literatur und im Film schon immer faszinieren.
In der bekanntesten und erfolgreichsten Science-Fiction-Reihe dieses Planeten ist die Welt zwischen den Welten ein geheimnisvoller und grenzenloser Ort, losgelöst von Zeit und Raum. Er ist bevölkert mit Lebensformen jeder erdenklichen Art und besteht aus einer unendlichen Ansammlung von labyrinthischen Wegen und Türen, versehen mit unterschiedlichsten Symbolen und Zeichen. Sechs Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland beschäftigen sich mit diesen alternativen Realitäten und zeigen ihre Arbeiten bis Oktober auf Burg Ranfels.

Illustration Welt zwischen den Welten aus dem STAR WARS-Universum
Bilder von der Eröffnung
Künstler
JULIE DE KEZEL
Die Belgierin Julie De Kezel beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Arbeit mit mythologischen Lebensformen und biodiversen Organismen. Ihre Installationen, 3D-Skulpturen, Videos und Objekte setzen sich mit Themen zwischen Wissenschaft und Kunst auseinander und zeichnen sich gleichzeitig durch eine einzigartige Leichtigkeit und Poesie aus. De Kezel setzt dabei bewusst auf visuelle Effekte und Reize aus sozialen Medien, der Modeindustrie und der Popkultur, um vermeintlich gegensätzliche Themen in ein neues Licht zu rücken.
Gleichzeitig lotet die Künstlerin auf faszinierende Weise das Verhältnis von Mikro- und Makrokosmos aus, entdeckt Ähnliches und Gleiches im vermeintlich Verschiedenem. Die Ergebnisse dieser Forschung präsentiert sie eindrucksvoll in ihrem künstlerischen Werk, wobei sie sich immer wieder neu erfindet. So werden in einer Werkserie mikroskopisch kleine Strukturen in einem Blumenstrauß sichtbar, in anderen Arbeiten bilden flämische mittelalterliche Miniaturen aus dem 8. bis 16. Jahrhundert das Zentrum einer gigantischen, in den Ausstellungsraum wuchernden Installation.
Julie de Kezel überlässt in ihrem künstlerischen Tun nichts dem Zufall. Vor dem kreativen Prozess sammelt und studiert sie aktuelle wissenschaftliche Texte aber auch mittelalterliche Schriften, die Ihre Werke beeinflussen oder sogar selbst Bestandteil Ihrer Kunst werden. Hochauflösende Videos und 3D-Drucke in Perfektion werden so in Verbindung mit Zaubertränken und organischem Material zu einem homogenen Gefüge und überraschen uns mit einem ganz eigenen und überwältigenden Blick auf eine andere Welt.

Julie de Kezel
Julie de Kezel, *1995
GLENN DE COCK
Glenn de Cocks künstlerisches Werk ist maßgeblich vom Fantasy-Genre und modernster Videospiel-Ästhetik geprägt. Mit unterschiedlichsten Materialien und Medien entführt er uns in eine Welt, die von surrealen Figuren und mythischen Zeichen bevölkert ist und die Grenzen zwischen Realität und Fiktion in einer Art melancholischen Nostalgie verschwimmen lässt.
De Cock bedient sich einer einzigartigen Bildsprache, die Pop-Art, Comics, Science-Fiction und Religion streift, aber auch Bezüge zu bildenden Künstlern wie Jonathan Meese oder Andy Hope 1930 nicht verleugnet. Seine wiederkehrenden Figuren sind mehr als nur Motive, sie stellen Alter Egos des Künstlers dar und verkörpern verschiedene Aspekte seiner Identität und seines Schaffens. Es sind fiktive Charaktere aus einer scheinbar zeit-, raum- und hierarchielosen Sphäre. De Cock dekonstruiert und rekonstruiert Elemente aus Massenkultur und Kunstgeschichte und erfindet so neue Bedeutungsebenen.
In diesem Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Gegenwart erzeugt De Cock eine Art mediale und zeitliche Verwirrung, die zum Nachdenken über die Rolle der Geschichte in der Gegenwart anregt, manchmal sogar zwingt.

Glenn de Cock, *1994
→ Julie de Kezel und Glenn de Cock sind seit Anfang Juni 2024 Artists in Residence auf Burg Ranfels, in der Ausstellung „Zwischen den Welten“ präsentieren sie bestehenden und vor Ort entstandene Kunstwerken.
LORETTA LUX
„Ich glaube, dass der Mensch von der natürlichen Welt entfremdet ist. Die Industrialisierung und die Zerstörung der natürlichen Umwelt haben es dem Menschen unmöglich gemacht, sich in der Welt zu Hause zu fühlen.“
Loretta Lux, gebürtige Dresdnerin, studierte in München Malerei, bevor sie 1999 anfing, zu fotografieren. Und In der Tat fällt es schwer, ihre pastelligen, beinahe aseptisch wirkenden Bilder als Fotografie zu identifizieren. Das hängt nicht nur damit zusammen, dass es sich bei den monochromen, unstrukturierten Hintergründen häufig um gemalte Hinzufügungen handelt. Entscheidend ist vielmehr, wie sorgfältig, ja rigide die Porträts durchkomponiert sind und sie so an die alten Meister der Malerei erinnern.
Ihre Modelle, die sie vor einer weißen Wand ablichtet, platziert Lux in kargen Landschaften mit niedrigem Horizont oder in Innenräumen, die spartanisch möbliert sind.
Die dargestellten Kinder, vielfach Kinder von Freunden, wirken wie Porzellanpuppen mit seltsam entleertem Gesichtsausdruck in unvorteilhaft altmodische Kleider gesteckt.
Loretta Lux künstlerischer Erfolg lässt sich an der Anzahl der öffentlichen Einrichtungen, die im Besitz ihrer Arbeiten sind, ablesen. In 17 Sammlungen – hauptsächlich in den USA – ist sie vertreten. In ihrem Werk bekommt nicht die Malerei fotografischen Charakter wie bei den Fotorealisten, sondern umgekehrt die Fotografie malerischen Charakter. Diese seltsame Erstarrung mag von der korsettierten Vorstellung von Kindheit früherer Zeiten inspiriert sein.
„Ich mochte die Unordnung im Umgang mit Pigmenten, Öl und Terpentin nicht“, erklärt Lux in einem Interview. „Ich denke immer noch wie ein Maler, vor allem in der Art und Weise, wie ich meine Bilder strukturiere. Die Kamera ist einfach ein Werkzeug, das ich benutze, aber der Prozess ist psychologisch und ähnelt viel mehr der Malerei als der Fotografie.“
Ihre „imaginären Porträts“, wie Loretta Lux selbst ihre Fotografien nennt, gehören nach wie vor zu den faszinierendsten Interpretationen der Kindheit. Burg Ranfels präsentiert mit „The Red Ball 1“ eines der bekanntesten Bilder der Künstlerin.


Loretta Lux, *1969 in Dresden
Ausstellungen (Auswahl), Torch Gallery, Amsterdam, Manezh Central Exhibition Hall, Moskau, Yossi Milo Gallery, New York, Kulturhuset Stockholm, Galleria Cara Sozanni, Mailand, Musrara, the Naggar School of Art, Jerusalem
TRACEY SNELLING
Die US-Amerikanerin Tracey Snelling ist besonders durch multimediale Objekte bekannt, die man als urbane Plastiken bezeichnen kann. Manchmal imitieren sie eine Landschaft mit Versatzstücken aus Architektur und Natur, real und absurd zugleich, dann wieder streben sie wie archaische Wolkenkratzer, deren Fenster, Türen und Vorsprünge eine Unzahl von Lichtquellen und Miniaturmonitoren beherbergen, nach oben und erzeugen dabei ein visuelles und akustisches Feuerwerk, das zum Stereotyp eines städtischen Bild- und Klangteppichs wird. Trotz ihrer Größe von bis zu 4m Höhe muten sie aufgrund ihrer komplexen Struktur und Haptik wie Miniaturmodelle an und erzeugen dadurch eine subtile Wirklichkeit, die den Betrachter glauben lässt, er wäre Gulliver im Lande Liliput.
Eine andere Werkgruppe Snellings, die „Livesize Rooms“, lebensgroße, wie Bühnenbilder anmutende Installationen. Sie erlauben dem Betrachter einen voyeuristischen Blick in hyperrealistisch gestaltete Räume, die in ihrer Individualität stereotype Vermutungen über ihre abwesenden Bewohner*innen hervorrufen, so als wären sie gerade nur kurz zum Einkaufen oder nach nebenan gegangen.
Hin und wieder kehren diese Bewohner jedoch zurück, um in Live-Performances von tiefen, dunklen Abgründen, von Einsamkeit und Angst aber auch von unbändiger Freude, ungezügelter Leidenschaft und bedingungsloser Liebe zu erzählen.
„Tell me you love me“, ein Video von einer solchen Performance, in dem die Künstlerin selbst als Protagonistin in einem sogenannten „Love Hotel“ in Tokio zu sehen ist, zeigt die Ausstellung „Zwischen den Welten“. 2025 werden weitere Arbeiten, Skulpturen und Objekte von Tracey Snelling auf Burg Ranfels präsentiert.

Tracey Snelling, *1970 Oakland, USA
Lebt und arbeitet in Berlin.
2024 How We Live, Haus am Lützowplatz, Berlin
2024 About Us, The Human Safety Net, Generali, Venedig
2023, Tenement Rising, Museo di Arte Contemporanea Palazzo Forti, Verona
2023 Tell me you love me, Tokyo Arts and Space, Hongo, Tokyo
2021 A Poem is a City, video in rotation on SFE, Paris
2020 I can’t forget you, Cokkie Snoei, Rotterdam
2019 58. Venice Biennale, Shanghai/Chongqing Hot Pot/Mixtape, in collaboration with Swatch, Arsenale, Venedig
2018 Asphalt Jungle, Jules Maeght Gallery, San Francisco
KLAUS PICHLER
Klaus Pichlers fotografisches Interesse gilt den übersehenen Aspekten des Alltags, der Beziehung zwischen Mensch und Landschaft und dem Spannungsfeld zwischen Naturwissenschaft, Gesellschaftspolitik und Medienkultur. Für die Fotoserie ‚Just the two of us‘ hat Klaus Pichler Menschen mit aufwändigen Verkleidungen besucht und in ihren Wohnungen fotografiert. Der Ort der Fotos ist kein Zufall: nirgendwo anders ist die Verbindung zwischen dem Menschen unter der Maske und seinem Alter Ego so stark wie im eigenen Zuhause. Die Verkleidungen, meistens Ganzkörperkostüme, die die ‚zivile‘ Person gänzlich überdecken, repräsentieren dieses andere Ich. Die Wohnung fungiert quasi als ‚Kulisse‘ der Bildinszenierung und gibt vorsichtig Auskunft über die Person, die sich unter der Verkleidung versteckt.
Einmal jemand anderer sein, wer träumt nicht davon? Eine Möglichkeit, sich eine andere Identität zu schaffen, ist diese zweite Haut, die von außen mit anderen Augen wahrgenommen wird. In der Fotostrecke ‚Just the two of us‘, die international große Beachtung fand, beschäftigt sich Klaus Pichler mit beidem: mit der Verkleidung und dem Menschen darunter.

Klaus Pichler, Just the two of us (2017)
Klaus Pichler, *1977 Österreich
Studium der Landschaftsarchitektur, Wien; seit 2005 freiberuflicher Fotograf. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland (Auswahl)
2024 (upc.) ‘The Petunia Carnage’, Stadthaus Ulm
2022 ‘One Third’, United Nations, Istanbul
2019 ‘Self storage’, Museum of Industrial Culture, Moskau
2018 ‘One Third’ at Provinciehuis, The Hague
2017 ‘Golden days before they end’, Photon Gallery, Ljubljana
2017 ‘This will change your life forever’, Anzenberger Gallery, Wie
2016 ‘Golden Days’, Kunsthalle Graz, Graz
2014 ‘Just the two of us’, Galerie Rockelmann&, Berlin
2014 ‘One Third’, European Economic and Social Forum, Brüssel
2014 ‘Just the two of us’, Kunsthalle Graz, Graz
2014 ‘One Third’, UN FAO Asia Headquarter, Hong Kong
„Aliens im Wald“
HANS LANKES
SKULPTUREN IM ÖFFENTLICHEN RAUM & MESSERSCHNITTE IN DER WUNDERKAMMER
MÄRZ 2024
RUNDGANG UND KÜNSTLERGESPRÄCH








Impressionen der Vernissage / Hans Lankes























Alle bisherigen Veranstaltungen in chronologischer Reihenfolge finden Sie in unserem Archiv.


























































































