„HOME SWEET HOME“
inspiriert von David Lynch
Eröffnung 4. Juli 2026 um 17:00 Uhr
Die Ausstellung läuft von Juli bis Oktober Juni 2026 und kann nach schriftlicher oder telefonischer Anmeldung besichtigt werden. Anmeldung unter kontakt@burg-ranfels.de | 0172 – 8511464
„What’s the most frightening thing about (your) home?
It’s a place where things can go wrong.“
(David Lynch auf die Frage der Journalistin Kristine McKenna)
In der banal anmutenden Redewendung „Home Sweet Home“, die doch eigentlich Geborgenheit und Sicherheit verspricht, schwingt die Warnung vor der trügerischen Idylle subtil mit. Die Warnung vor einem Ort, an dem verdrängte Ängste, Geheimnisse und Begierden lauern und die Angst, dass die Grenze zwischen Vertrautem und Fremdem nicht draußen in der Welt verläuft, sondern mitten durch das eigene Heim und das eigene Selbst.
Was aber macht ein Zuhause überhaupt zu einem Zuhause? Warum fühlt man sich in seinem Heim geborgen und sicher? Sind es Einrichtungsgegenstände oder Erinnerungsstücke, die Familie oder die vertrauten Menschen darin? Und hat es überhaupt mit dem Gebäudehaften zu tun oder mit Geschichten und Gewohnheiten? „Home Sweet Home“ – im eigentlichen Sinn – würde voraussetzen, dass es einen Ort gibt, an dem man „ankommen“ kann – einen Ort, an dem man sich nicht ständig erklären muss, an dem die Welt für einen Moment weniger fremd erscheint.
Was macht das Gefühl der Geborgenheit aus und wo finden sich hinter den schönen Fassaden feine Risse und emotional aufgeladene Brüche? Das Unheimliche ist nicht einfach das Fremde. Es ist das Vertraute, das plötzlich fremd erscheint. Das Unheimliche also entsteht, wenn das Zuhause seine Selbstverständlichkeit verliert – das ist die Kernaussage des Künstlers und Filmemachers David Lynch.
„Wir wissen, dass etwas vor sich geht. Nicht in jedem Haus, aber in vielen.
Sogar Dinge, die unsere Vorstellung übersteigen.“
(D.L.)
Im ikonischen Szenenbild der Serie „Twin Peaks“ erscheint das Zuhause zunächst als Inbegriff von Sicherheit: gepflegte Vorstadthäuser, grüne Rasenflächen, freundliche Nachbarn, familiäre Rituale. Doch Lynch interessiert sich für das, was unter dieser Oberfläche liegt. Die harmlose Kleinstadt wirkt wie eine Verkörperung von „Home Sweet Home“: Hier herrschen Gemeinschaft, Tradition und Normalität. Eine fragile Fassade, wo das Süße und das Unheimliche gleichzeitig existieren. Was hinter den Mauern lauert, bleibt der Fantasie überlassen. Denn das Haus schützt nicht vor der Welt, es verbirgt auch Abgründe, die wir nicht sehen wollen und nach und nach zeigt sich, dass die Dunkelheit nicht von außen kommt, sie wohnt bereits im Inneren. Jede Verlässlichkeit der Welt kann sich jederzeit als Schein herausstellen und das Paradies verwandelt sich in etwas Monströses.
Die Ausstellung widmet sich dem Thema aus verschiedenen Perspektiven. Home Sweet Home zeigt klischeebehaftete Dinge, die auf assoziativer Ebene Stimmungen auslösen und (verfremdete) Erinnerungsobjekte, die für den einzelnen großen emotionalen Wert haben mögen, für andere dagegen nur wertloser Tand sind. Das Hässliche liegt im Schönen und das Schöne im Hässlichen.
Auch steht die Frage im Raum, was ist, wenn es gar kein Zuhause gibt? Was ist mit denen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden oder fliehen mussten.
Oder mit Menschen, die in ihrem eigenen Zuhause nicht sicher sind, weil sie hinter verschlossenenTüren häusliche Gewalt erleben. Und dann sind da noch diejenigen, die sich ihr Zuhause nicht mehr leisten können, weil bezahlbarer Wohnraum immer rarer wird. „Home Sweet Home“ wird so zu einer zynischen Parabel für Entwurzelung, Ungleichheit und Ungerechtigkeit.
Wie ein Kaleidoskop wirft die Ausstellung so Schlaglichter auf ein komplexes Thema und fragt, was sich hinter der scheinbaren Idylle verbirgt. Denn das Zuhause ist nicht der Ort, an dem die Suche endet, sondern der Ort, an dem das Geheimnis beginnt.
Die KünstlerInnen
Julia Dengler & Pauline Schulze, Bühnenbild
Wolfgang Ellenrieder, Fotografie
Monika Supé, Foto- und Videoinstallation
Florian Süssmayr, Malerei
Barbara Trommeter, Zeichnerische Transkonstruktion und Skulptur
Zsolt Zrínyi, Keramische Plastik & Rauminstallation
Julia Dengler *2002 (Bühnen- und Kostümbildnerin / Installationskünstlerin | München)
Pauline Schulze *2001 (Bühnen- und Kostümbildnerin / Installationskünstlerin | Magdeburg)
Julia Dengler, geboren 2002 in München, studiert seit 2023 an der Akademie der Bildenden Künste München zunächst bei Sebastian Tröger und setzt ihr Studium 2025 in der Klasse von Judith Oswald fort. Pauline Schulze, geboren 2001 in Magdeburg, studiert seit 2021 Bühnenbild und Kostüm an der Akademie der Bildenden Künste München. Sie begann ihr Studium in der Klasse von Katrin Brack und studiert seit 2025 bei deren Nachfolgerin Judith Oswald.
Seit 2024 arbeiten Dengler und Schulze als Duo zusammen. Ihre gemeinsame Praxis bewegt sich zwischen Bühnen- und Kostümbild sowie installativen Arbeiten. Dabei ergänzen sich die beiden durch ihre unterschiedlichen Hintergründe: Pauline Schulze kommt von der Musik, Julia Dengler von der Malerei. Im Zentrum ihrer Zusammenarbeit steht das Erzählen von Geschichten und die Entwicklung von Räumen, die einer eigenen Logik folgen und als autonome Welten erfahrbar werden.

Julia Dengler & Pauline Schulze, Hamsterparty 2025 Mixed Media Installation aus Karton, Spachtelmasse, Gips, Hasendraht, Wachs, Puderzucker, Unikat_65. Teile_300 x 200 x 200 cm
Die Installation Hamsterparty wurde 2025 im Rahmen der Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste München erstmals in der Klassenausstellung „2x2x4“ unter der Leitung von Korbinian Schmidt präsentiert. Sie markiert die erste gemeinsame installative Arbeit des Duos. Ausgangspunkt der Arbeit ist der Text „2×241 Titel Doppelt so gut wie Martin Kippenberger“ des Künstlerkollektivs der Frankfurter Hauptschule“. Darin wird von Einem Kindergeburtstag erzählt, dessen scheinbar harmlose Handlung in einem absurden und zugleich brutalen Moment kulminiert: Nach der Zurückweisung durch ein Mädchen tritt das Geburtstagskind einen Hamster zu Tode. Das Tier wird dabei zum Sinnbild eines unkontrollierten Gefühlsausbruchs und der Verletzlichkeit, die hinter dem Wunsch nach Anerkennung und Zuneigung steht.
Für die Präsentation auf Burg Ranfels wurde die Installation an die räumlichen Gegebenheiten angepasst und weiterentwickelt. Die Tortenelemente greifen Motive der Geschichte auf und eröffnen neue Erzählstränge. Zwischen Geburtstag, Bühnenbild und Fantasiewelt entsteht eine eigene Szenerie, die den Text auf spielerische Weise weiterdenkt. Ein Jahr später blickt das Duo bereits auf mehrere gemeinsame Projekte zurück. Die erneute Begegnung mit Hamsterparty gleicht einem Nachhausekommen. Auch der Aufbau mit Puderzucker wird zu einem süßen Déjà-vu. Passend dazu besteht die Glasur der Installation aus echter Zuckermasse.
Wolfgang Ellenrieder *1959 (Maler, Fotograf und Objektkünstler | Deutschland)
Die Arbeiten des in München und Braunschweig lebenden Künstlers Wolfgang Ellenrieder wurden in zahlreichen internationalen Museen und Ausstellungshäusern gezeigt, u. a. im Haus der Kunst München, im Sprengel Museum, Hannover, im Museum van Bommel van Dam, Venlo (NL) und in der Kunsthalle Hamburg. Ellenrieder studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München und ist seit 2010 Professor für Malerei und Zeichnung an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Seine Werke befinden sich in bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen, u. a. in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung und der Staatlichen Graphischen Sammlung München.

Wolfgang Ellenrieder, „Dorf“, 2003, Lambdaprint, Diasec, 120 x 200 cm, ©Wolfgang Ellenrieder
Mit seinen großformatigen Fotografien für die Ausstellung „Home Sweet Home“ richtet Wolfgang Ellenrieder den Blick auf jene Bildwelten des Wohnens, die das kulturelle Selbstverständnis der Nachkriegsgesellschaft geprägt haben.
Gepflegte Einfamilienhäuser, sorgfältig angelegte Gärten, familiäre Alltagsszenen und dörfliche Architekturen erscheinen als Bausteine einer vermeintlich harmonischen Lebensordnung. Dabei interessiert Ellenrieder weniger die dokumentarische Abbildung von Realität als deren kulturelle Konstruktion. Seine Fotografien untersuchen jene visuellen Codes, durch die Vorstellungen von Heimat, Sicherheit und Zugehörigkeit entstehen und über Generationen weitergegeben werden.
Ellenrieder konstruiert Bilder, die zwischen Beobachtung und Inszenierung changieren. Die Häuser erscheinen weniger als individuelle Wohnorte denn als architektonische Zeichen eines Lebensmodells, das für Stabilität, Aufstieg und Verlässlichkeit steht. Alltägliche Elemente wie Gartenstuhl, Sonnenschirm oder Fußball werden zu Requisiten einer Kultur des Wohnens, deren Selbstverständlichkeiten erst durch die fotografische Verdichtung sichtbar werden.
Die besondere Wirkung der Arbeiten entsteht aus ihrer Balance zwischen Vertrautheit und Irritation. Die dargestellten Szenen entfalten eine große Nähe, während ihre formale Strenge und subtile Überzeichnung zugleich Distanz schaffen. Die Idylle erscheint nicht gebrochen, wohl aber als bewusst gestaltetes Bild. So verschiebt sich der Blick von der dargestellten Szene auf die Mechanismen ihrer Darstellung und auf die kulturellen Vorstellungen davon, wie ein gelungenes Leben auszusehen hat.
Für „Home Sweet Home“ entwickelt Wolfgang Ellenrieder damit eine Reflexion über die Bildhaftigkeit gesellschaftlicher Ideale. Seine Fotografien zeigen weder eine naive Utopie noch eine satirische Zuspitzung, sondern machen sichtbar, wie sehr unser Verständnis von Zuhause durch kulturelle Bilder geprägt ist. Die vermeintlich heile Welt erscheint dabei als kollektiver Imaginationsraum, in dem sich Wünsche nach Geborgenheit, Ordnung und Beständigkeit ebenso spiegeln wie die gesellschaftlichen Vorstellungen, aus denen sie hervorgehen.
Monika Supé *1967 (Zeichnung, Objekt, Installation | München)
Monika Supé studierte Architektur an der Technischen Universität München und promovierte mit Auszeichnung zum Thema des visuellen Wahrnehmungstrainings an der Universität Kaiserslautern. Supé war u. a. an der Akademie für Mode und Design in München als Professorin für Raumgestaltung und an der IUBH / Internationale Hochschule als Professorin für Architektur und Gestaltung tätig. Sie wurde u. a. gefördert durch die Contemporary Art Ruhr, den Freundeskreis der Universität Kaiserslautern, den Bezirk Oberbayern und erhielt Preise u. a. von der Stadt Landsberg, der mse-Kunsthalle, den Kunstpreis der Ortung IX Schwabach und den 1. Preis für Kunst am Bau an der Hochschule Coburg.
Ihre Werke waren in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen u. a. Arsenale Venedig, Museum Lentos Linz, Goethe-Institut Paris, Zeche Zollverein Essen. Supé wird von der Galerie Bachlechner in Graz und der Galerie Sammlung Amann in Stuttgart vertreten.

Monika Supé, home is… nature?, Bild 2633 20231108_16:07:43
Monika Supé, die ursprünglich von der Architektur kommt, interessiert der Mensch im Raum. Da sich das menschliche Dasein nicht loslösen lässt von zeitlichen Prozessen, geht es ihr um den Menschen, sein Dasein und sein Tun im Rahmen von zeitlichen und räumlichen Gegebenheiten. Dies führt zu einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Menschen an sich – etwa seinem Körper und dessen Vergänglichkeit – aber auch mit seinen Artefakten. Zu diesen zählen auch schützende Hüllen, wie Bekleidungen oder Behausungen. In der Zeichnung verwurzelt, untersucht sie dies häufig in dreidimensionalen, an Zeichnungen erinnernde Installationen oder Objekte.
Artefakte entstehen für sie aber ebenso im erweiterten Sinne: auch Architektur und kultivierte Landschaft zeugen von menschlichem Tun im Gegensatz zur unberührten Natur. Unser ambivalentes Verhältnis zur Natur hat Supé bereits 2023 für Burg Ranfels mit ihrer Installation „home is…“ untersucht. Es handelte sich um ein lebensgroßes, aber durch eine zu kleine Tür nicht betretbares Haus aus Fichtenzweigen. Nun ist das audiovisuelle Nachfolgeprojekt „home is… nature?“ zu sehen. In einer aus 3000 Einzelbildern zusammengesetzten zweiminütigen Video-Installation wird sichtbar wie sich die Natur das Haus über mehrere Monate zurückerobert.
Florian Süssmayr *1963 (Malerei | München und Genua)
Florian Süssmayr war in den 1980er Jahren in der Punk- und Musik-Szene in München aktiv. In den 1990er Jahren arbeitete er als Lichttechniker und Kameramann, bis er sich ab 1997 als Autodidakt vollständig der Malerei widmete. Unmittelbar darauf folgten internationale Einzel- und Gruppenausstellungen, darunter die Kunsthalle, München, 1st Athens Biennial, Athen, Haus der Kunst, München, Nicholas Robinson Gallery, New York, Museum Ludwig, Budapest, Kunsthalle Darmstadt, Arsenale Institute for Politics of Representation, Venedig, Lenbachhaus, München, Pinakothek der Moderne, München und die Fondation Francès, Clichy, Frankreich.



Florian Süssmayr, Triptychon Für immer / nach Lukas Cranach, Judith mit dem Haupt des Holofernes, 2024, Öl auf Leinwand, je 110 x 90 cm
Die Arbeiten von Florian Süssmayr wirken oft luzide und geheimnisvoll, sind figürlich und abstrakt zugleich. Die außergewöhnlich genauen Darstellungen der Szenerien wirken dokumentarisch und ähneln dem Blick eines Fotojournalisten oder dem Bericht eines Augenzeugen. Florian Süssmayrs Werk ist durch eine konsequent reduzierte Farbpalette in Grau- und Sepiatönen und eine filmische Ästhetik geprägt. Die Arbeiten wirken wie Erinnerungsfragmente – eingefroren in Schwarz und Weiß, und trotzdem flüchtig wie Szenen aus einem Traum. Es ist ein unverwechselbarer Stil, der heute als ikonisch gilt.
Oft erfahren die Bilder von Süßmayr eine oder mehrere Metamorphosen. So entstand das Triptychon auf Basis einer alten Fototapete mit Motiven aus der Serie Judith mit dem Haupt des Holofernes von Lukas Cranach dem Älteren. Aus den Gemälden könnte jetzt wieder eine Fototapete entstehen,auf der wiederum Bilder hängen. Aus dieser Hängung wird wieder ein Gemälde – gleichsam ein mise en abyme, der unendliche Blick in den Spiegel.
Barbara Trommeter *1981 (Skulptur, Zeichnung, Fotografie | lebt und arbeitet in Genua)
Aufgewachsen in einem bürgerlichen Umfeld ohne Bezug zur Kunst, entschied sich Barbara Trommeter bewusst gegen traditionelle akademische Laufbahnen und schlug den Weg der freien Kunst ein. Motiviert durch ein frühes Interesse an visuellen Medien und gestalterischen Prozessen, studierte sie von 2001 bis 2007 an der Akademie der Bildenden Künste München Konzeptkunst bei Prof. Res Ingold. Bereits während des Studiums erweiterte sie ihre zeichnerische und skulpturale Praxis um die Fotografie. Ab 2004 formierte sie das Künstlerduo Trommeter-Szabó, in dem sie bis 2016 kollaborativ arbeitete – flankiert von freier Auftragsarbeit in der Mode- und Architekturfotografie sowie im Kommunikationsdesign.
Bereits früh wurde Trommeters Arbeit international gewürdigt; so zählte sie 2009 und 2010 bei den renommierten Hasselblad Masters zu den zehn besten Architekturfotografen weltweit. Ihr Werk wird durch kontinuierliche Förderungen und Atelierstipendien des Bayerischen Staatsministeriums sowie der Stadt München unterstützt, darunter 2015 die Katalogförderung de Ministeriums für die erste große Monografie des Künstlerduos. Im Jahr 2023 verlegte sie ihren Lebensmittelpunkt von München nach Genua, wo sie seither lebt und arbeitet.
Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, u. a. Milk Gallery, LaVenue, New York, C-House, Galerie Artfinger, Hongkong, Congreso de fotografía, Bogotá, Milk Gallery, Kopenhagen Amsterdam, Genua, Alpen- Adria-Galerie, Klagenfurt, Goethe-Institut, Lothringer 13, Ägyptisches Museum, Kunstverein Warendorf. Arbeiten in öffentlichen und privaten Kunstsammlungen, u. a. Sammlung SpallArt für Fotografie, Österreich, Sparkasse Dachau (Kunst am Bau), Landratsamt Dachau.

Barbara Trommeter, „We were sisters once“, 2025 / Öl auf Papier 70×100 cm
Für die Ausstellung „Home Sweet Home“ konzentriert Barbara Trommeter ihren Beitrag auf das Zusammenspiel von Skulptur und Zeichnung, um die vermeintliche Idylle des Häuslichen zu hinterfragen. Ihre Arbeiten zeigen die Risse zwischen privatem Schutzraum und innerer Isolation. In ihrer skulpturalen Gebäudeserie konfrontiert Trommeter den Betrachter mit surrealen Zuständen, referenzlosen Unorten und dystopischen Chiffren von Habitaten, die eine Beheimatung konsequent verweigern. Die Arbeiten fungieren als physische Behälter für das, was im Privaten isoliert und verdrängt wird. Es sind psychogeographische Strukturen, in denen die Architektur des „Zuhauses“ auf ihre Kehrseite geprüft wird, die tief im Inneren eine stille Erinnerung beherbergen mag. Den Skulpturen stehen Trommeters gestische, zeichnerische Transkonstruktionen gegenüber. Als Ausgangspunkt dienen printmediale Vorlagen wie Magazine oder Plakate – Symbole einer auf Perfektion konditionierten Gegenwart, in der Körper als austauschbare Produkte fungieren.
Durch oft massive und pastöse Überarbeitung bricht sie diese glatten Oberflächen. Wo Medien das Individuum zum Objekt degradieren, wird die ursprüngliche Codierung der Bildvorlagen korrumpiert und neu programmiert. In den sich auflösenden Zuständen der dargestellten Wesen vollzieht sich eine Dekonstruktion von Normen und tradierten Rollenbildern jenseits einer wertenden Sicht. Zerfall und das Abweichen werden hier nicht als Defizit begründet, sondern als notwendige Einblicke hinter die Fassade – als Freisetzung einer Realität, die unter der Oberfläche gärt, eine zeichnerische Rückeroberung des Individuums.
Zsolt Zrínyi, *1969 (Keramische Plastik & Rauminstallation | München und Bernried)
Zsolt Zrínyi wurde 1969 in Budapest / Ungarn geboren. Als kleines Kind ist er 1974 auf den Schultern seiner Eltern aus politischen Gründen aus dem kommunistischen Ungarn über Jugoslawien nach Italien geflohen. Seine Eltern entschieden sich für Deutschland als Ziel ihrer Flucht. So begann Zrínyis „zweiter“ Lebensabschnitt in Mainz, wo er früh von seinen Kunstlehrern gefördert wurde und unmittelbar nach seinem Abitur erstmals seine Arbeiten im Rahmen seiner Ausstellung „Kopfbild“ präsentierte. Es folgten Ausstellungen in Galerien, Off-Spaces und im Gutenberg Museum in Mainz. Er entschied sich jedoch aus biographischen Gründen für ein Studium der Medizin, aus dem per Zufall Zahnmedizin wurde.
Zwischenzeitlich arbeitete Zrínyi weiter bildhauerisch und kam über Wachs, Holz und Bronze zum Ton. Seit 2012 realisiert Zrinyi unterschiedliche Werkgruppen mit Ton und Porzellan. Im Jahr 2020 kehrt die Kunst mit der Gruppenausstellungen „Bild und Ton“ mit Martin Fengel, Florian Süssmayr und Martin Wöhrl wieder zurück in seine Vita. Seither professionalisierte sich sein künstlerisches Schaffen mit verschiedenen Einzel- und Gruppenausstellungen in Galerien und institutionellen Räumen, u. a. Gutenberg-Museum Mainz, „Bild und Ton“ Künstlerhaus Marktoberdorf, Kunsttempel Kassel. „Bild und Ton dry“, Galeriestraße am Hofgarten München,Boutwell Schabrowski Gallery München.
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Für „Home Sweet Home“ hat Zrínyi völlig neue Werkgruppen entwickelt, die sich mit dem deutschen häuslichen Umfeld, Kommunikation, Migration und Gentrifikation sowie der mittelalterlichen Vorstellung von Exotik im Kontext mit Burg Ranfels auseinandersetzen.
Zsolt Zrínyi wird vertreten durch die SmudaJescheck Galerie in München.
Wir freuen uns über den Bayerischen Kunstpreis 2025


Fotos: Axel König
Burg Ranfels wurde mit dem Bayerischen Kunstpreis 2025 in der Kategorie `Besonderer Ort´ ausgezeichnet, weil hier zeitgenössische Kunst mit einer neuen, experimentellen Herangehensweise auf dem Land gezeigt wird. Die Jury würdigte damit den mutigen Ansatz, Kunst außerhalb des klassischen Kunstbetriebs zugänglich zu machen und einen offenen, experimentierfreudigen Raum zu schaffen.
Maximilian Prüfer im Bestand der Sammlung
Maximilian Prüfer ist ein deutscher Konzeptkünstler. Er entwickelt aufwändige Verfahren, in denen er die Spuren von Insekten auf Papier überträgt und so zeigt, wie sie sich in bestimmten Strukturen bewegen.
NEWS – November 2022 – Benefizauktion der Pinakothek der Moderne – Maximilian Prüfers „Snailpicture 15-05-22“ löst eine Bieterschlacht aus.
Prüfer studiert für seine Spurenbilder Phänomene aus der Natur sowie Verhaltensweisen von Tieren, meist Insekten. Durch eine gezielte Manipulation der Umgebung oder der Tiere selbst veranschaulicht er ureigene Grundbedürfnisse und Verhaltensweisen, die alle Lebewesen aufzeigen. Die Reaktion der Tiere, beziehungsweise deren Spurenbilder, stehen dabei oft metaphorisch für das Verhalten von Menschen im Bezug zur Gesellschaft.
Mittels einer von ihm entwickelten Technik, der „Naturantypie“, lässt Prüfer feinste Spuren aus der Natur sichtbar werden, beispielsweise Spuren von Schnecken oder Ameisen, Flügelschläge von Nachtfaltern oder den Aufprall von Regentropfen.
So werden beispielsweise Schnecken zum Sinnbild einer Massenbewegung, die sich nur aus dem Prinzip des Energiebedarfs ergibt. Ohne jegliche Kommunikation der Tiere untereinander bewegen sie sich, durch eine gezielte Veränderung des Untergrunds, in die gleiche Richtung, und nehmen kollektiv den Weg des geringsten Widerstands.
Neben der Technik der Naturantypie entwickelte Maximilian Prüfer ebenfalls die Technik des „Schmetterlingsdrucks“ – ein Verfahren, das die Übertragung der Pigmentschuppen von Schmetterlingen auf Papier ermöglicht. Die Schmetterlinge werden dabei von einem Objet trouvé zu einem naturalistischem Abdruck, der sowohl die Frage nach der Urheberschaft der Arbeit stellt, als auch den evolutionären Prozess illustriert, in dem er das „Bild“ mit seinen Ursprüngen von Entwicklungsprozessen und Umwelteinflüssen darstellt.

Maximilian Prüfer stellt bei Sotheby’s in München aus:

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